Kurztext

Ich empfand meine Kindheit stets als völlig normal.

Schläge? Völlig normal.
Dauernd nur Verbote? Völlig normal.
Eine Zwei nicht gut genug? Völlig normal.
Etwas essen müssen, das man nicht mag? Völlig normal.
Gewichtskontrolle? Völlig normal.
Taschengeld bekommen, aber nicht ausgeben dürfen? Völlig normal.
Keine Freunde zu sich einladen dürfen? Völlig normal.
Nicht zu Freunden nach Hause gehen dürfen? Völlig normal.
Keine Freunde haben, weil man ja nichts darf? Völlig normal.
In der Schule gemobbt werden, weil man ein guter Schüler ist? Völlig normal.
Zuhause gemaßregelt werden, weil man nicht gut genug in der Schule ist? Völlig normal.
Angst davor haben, eine Drei nach Hause zu bringen? Völlig normal.
Bei Wind und Wetter sieben Kilometer mit dem Rad zur Schule fahren müssen, während alle anderen den Bus nehmen? Völlig normal.
Gegen seinen Willen im Schwimmverein angemeldet und zum Sport gezwungen werden? Völlig normal.
Den Schwimmverein schwänzen, aber alles nass machen, damit es nicht auffällt? Völlig normal.
Die Lieblingsbücher als Bestrafung einen ganzen Monat oder länger weggenommen bekommen? Völlig normal.
Mit harten Gegenständen wie Kochlöffel, Holz-Kleiderbügel oder Ledergürtel geschlagen werden? Völlig normal.
Blaue Flecken nur da haben, wo man sie nicht sehen kann? Völlig normal.
Je nach Laune des Narzissten Hohn, Spott und Ärger grundlos ausgesetzt sein? Völlig normal.
Stubenarrest, wenn andere draußen spielen? Völlig normal.
Im Regen draußen spielen müssen, wenn alle anderen drinnen im warmen Zimmer spielen? Völlig normal.
Essen rationiert bekommen? Völlig normal.
Hungrig zu Bett gehen? Völlig normal.
Heimlich alles Mögliche essen? Völlig normal.
Besuche bei der Oma verboten bekommen, weil man dort zu essen bekommt? Völlig normal.

Das Normale hingegen war für mich völlig unnormal.